OT: »Kävelymusiikkia pienille virtahevoille ja muita harjoituksia«, 1957
Aus dem Finnischen von Maximilian Murmann
Mit einem Nachwort von Tiia Kähärä
152 Seiten, € 24 [D] | € 24,60 [A]
Gebunden, fadengeheftet und mit Lesebändchen
ISBN 978-3-912259-00-1
Eeva-Liisa Manner (1921–1995) war nicht nur die wichtigste finnische Lyrikerin des 20. Jahrhunderts, auch mit ihren Prosaarbeiten schrieb sie sich in die Literaturgeschichte ein. Ganz besonders mit ihren Erzählungen, die sich zwischen Hellsichtigkeit und Fiebertraum bewegen, zwischen Spiel und Ernst. Versucht man diese Erzählungen auf einen Begriff zu bringen, entziehen sie sich sogleich der Beschreibung, tauchen aus dem Autobiographischen ab ins Reich der Untergründe, ins Un- oder gar ins Unterbewusste. Tiere oder Tierfiguren, Flusspferde, Katzen, Giraffen und Elefanten tauchen immer wieder auf, werden begehrt und verfolgt. Manchmal scheint sich in den Geschichten ein scharfer Umriss abzuzeichnen, aber nach einem Blinzeln muss man sich eingestehen, dass es nur ein flüchtiges Spiegelbild war, eine Reflexion im Gegenlicht. Allerdings scheinen in Manners Erzählungen immer wieder Momente von äußerster Wahrhaftigkeit auf, in denen man sich selbst und die eigenen Empfindungen und Fantasien erkennt.
Die Musik, neben der Poesie Eeva-Liisa Manners großes Leitthema, schlägt in diesem Band den Grundton an, und tänzerisch bewegt sich auch Maximilian Murmanns behutsame Übersetzung durch das Kabinett der Sonderlinge und Eigenbrötlerinnen: mal lautmalerisch, mal lyrisch, manchmal impressionistisch, manchmal exzentrisch und mitunter sogar derb realistisch. Manner schöpft alle Register aus und dringt in Schichten der Wahrnehmung, die uns ohne sie gar nicht zugänglich wären. Poetisch verwandelt wird die Welt erkennbar, besungen und bedichtet zeigt sie sich in ihrer ganzen Tiefe und Schönheit.
»Gott hat das Flusspferd erschaffen und Eeva-Liisa Manner, damit sie über das Flusspferd schreibt (…) Ihre Motive wurzeln in einer tief empfundenen Einsamkeit, der die Vergeblichkeit, im menschlichen Gegenüber so etwas wie Erfüllung zu finden, eingeschrieben ist. Allein die unverstellte Begegnung mit Tieren ist frei von Kummer und Missverständnissen. (…) Fröhlich, frech und traurig, aber nie tragisch sind diese Erzählungen, die sich eine skurrile Welt zusammenbauen, in der es sich leichter aushalten lässt als in der Wirklichkeit. (…) Es ist verblüffend, wie sie unsere kindliche Vorstellungskraft wiederbeleben und uns das Unmöglichste ganz selbstverständlich glauben lassen. (…) Eine gewaltige poetische Strahlkraft bewirkt, dass die Erzählungen nie ins Ulkige hinabgleiten, sie werfen den Leser aus herkömmlichen Denkbahnen und lassen märchenhafte Bilder entstehen.«
Heike Kunert, Die Zeit
»Ein Buch mit einem solchen Titel kann nur wunderbar sein - und so ist es auch: Die kleinen Flusspferde entführen die Leser in die poetisch-tragisch-schöne Welt der finnischen Autorin Eeva-Liisa Manner auf warmherzige und zugleich faszinierend verstörende Weise. (…) Fast alle diese manchmal düsteren, manchmal humorvoll-skurillen, aber immer überraschenden Erzählungen sind durch ein Motiv verbunden: die Musik. Nicht nur die Flusspferde spielen Johann Sebastian Bach, Elefanten flöten und Vögel singen. Die Hauptpersonen, oft Kinder, manchmal Frauen, existieren nur mit Musik. (…) Eeva-Liisa Manners Geschichten zu lesen, ist ein solch intensives Erlebnis, dass ihre Alpträume zu den eigenen zu werden scheinen. Es sind Traumbilder, die sich einprägen und nicht mehr verschwinden. Ebenso bleiben aber auch die Schönheit ihrer Sprache und die Wärme ihrer Flusspferde wie gute Freunde, die immer wieder gerne zu Besuch kommen können.«
Irène Bluche, Radio 3, rbb