OT: Երևան, 1931
Aus dem Armenischen und mit einem Nachwort von Susanna Yeghoyan
Mit einem Essay von Mkrtitsch Armen
347 Seiten, € 26 [D] | € 26,70 [A]
Gebunden, fadengeheftet und mit Lesebändchen
ISBN 978-3-945370-53-7
Mkrtitsch Armen (1906–1972) schuf mit »Jerewan« einen Roman, der einerseits als Hommage an die alte Metropole Jerewan und ihre vielfältige Kultur, und andererseits als Kritik an der autoritären Umgestaltung des Stadtbilds gelesen werden kann. Jerewan soll in den 1920er Jahren neu geplant werden – vermessen, entworfen, abgerissen und wieder aufgebaut. Arschak Budarjan, in Leningrad ausgebildeter Architekt, kehrt für diese Aufgabe in die geliebte Stadt seiner Herkunft zurück. Doch in Jerewan werden die ästhetischen und politischen Fragen der Zeit ausgetragen: Soll der Fortschritt radikal die Wurzeln ausreißen und etwas gänzlich Neues schaffen? Oder soll er sich an der Wurzel die Kraft holen für eine Modernisierung, die das Bestehende bewahrt und schützt? Arschak Budarjan und sein doppelgängerhafter Antagonist Gurgen Parsadanjan setzen wie in einem Schachspiel Zug um Zug, um am Ende mit ihrer Vision als Sieger aus dem Kampf hervorzugehen. Doch zu welchem Preis?
Auf dem Spielfeld der Stadt im Umbruch führt Mkrtitsch Armen diese weltanschauliche Auseinandersetzung auf. Er beschwört das alte Jerewan und seine Bewohner, das Leben auf den Straßen und in den Häusern herauf, er gibt sich den Träumen hin, während die Abrisstruppen schon unterwegs sind und die Schönheit der traditionellen orientalischen Welt dem Untergang geweiht ist. Susanna Yeghoyans Übersetzung dringt bis in die Winkel und Schlupflöcher der Stadt und der Sprache, bringt den Erzählrhythmus eindringlich ins Deutsche und lässt uns beim Lesen die Stadt in rauschhafter Wahrnehmung und ständig wechselnden Perspektiven erleben.
»Hochmodernistisch, ja filmisch erzählt Armen in ›Jerewan‹ – erst 2016 wiederentdeckt – vom Architekten Arschak Budarjan, der aus Leningrad nach Jerewan zurückkehrt und mitwirken soll, die Stadt zu ›modernisieren‹. Wie viel soll vom Alten bleiben, wie übermächtig das Neue sein? (…) Ein Buch, das Jerewan, intensiv von seinem modernistischen Rhapsoden Mkrtitsch Armen beschrieben, auf die Karte der Hochliteratur setzt.«
Alexander Kluy, Buchkultur
»Mit einer rasanten Kamerafahrt in die Stadt hinein, beginnt ›Jerewan‹. (…) Hochatmosphärische Szenen, in denen Karawanen mit leisem Glockengeläut an Jerewan vorbeiziehen und eine gelbe Sonne, den über der Stadt thronenden biblischen Berg Ararat flimmern lässt.«
Jörg Plath, Ö1 Ex libris
»Was geht verloren, wenn man eine Welt aus dem Boden stampft? (…) Mkrtitsch Armens Roman ›Jerewan‹, der 1927 begonnen und 1931 veröffentlicht wurde – dieser Tage ist das Buch in Susanna Yeghoyans beschwingter Übersetzung auf Deutsch erschienen. (…) Jerewan, das alte und das neue, haben durch Armen ein Denkmal erhalten, wie es lebendiger kaum vorstellbar ist.«
Tilman Spreckelsen, Frankfurter Allgemeine Zeitung