OT: »Isušena kaljuža« (1906–1909)
Aus dem Kroatischen von Brigitte Döbert
Nachwort von Miljenko Jergović
481 Seiten, € 28 [D] | € 28,80 [A]
Gebunden, fadengeheftet und mit Lesebändchen
ISBN 978-3-945370-44-5

Erscheinungstermin März 2024

Austrocknen

Janko Polić Kamov

Ein junger Mann hustet kanariengelben Schleim ab, spuckt Blut und führt sein Leben trotzdem weiter, als wäre nichts. Er trinkt, raucht, erforscht seine Sexualität, rebelliert gegen seine Eltern und die ganze Gesellschaft. Derweil verschlechtert sich sein Gesundheitszustand zusehends und setzt ihm hart zu – aus dieser fatalen Erfahrung heraus beginnt er, einen Roman darüber zu schreiben. Die finanzielle Abhängigkeit von seiner Familie quält ihn, also löst er sich, geht zum Studium nach Rom und versucht, dort als Korrespondent seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Doch die Krankheit lässt sich nicht abschütteln: In seinem Hals entwickelt sich ein tödliches Geschwür.

»Austrocknen« ist Janko Polić Kamovs einziger Roman. Posthum veröffentlicht, beschreibt er – poetisch in alle Richtungen überschießend – die Freuden und die Dämonen eines jungen Mannes, der aufbricht, seinen Platz im Leben zu suchen, aber feststellen muss, dass die Welt nicht auf ihn gewartet hat. Kaum verhüllt autobiografisch erzählt Kamov von Rauscherfahrungen, sexuellem Erwachen, politischer und künstlerischer Bewusstwerdung und dem Aufbegehren gegen die erdrückende kleinbürgerliche Herkunft. Seine furiose Mitschrift aller Gefühlsregungen und Einfälle des getriebenen Protagonisten gewährt tiefe Einblicke in dessen aufgewühlte und sprunghafte Innenwelt. Brigitte Döberts Übersetzung kostet die Erzählfülle aus und verleiht dem Roman eine prachtvolle Sprache, mit der die Jugend, aber auch der Verfall und die Weltverachtung in glänzenden Bildern beschworen und gefeiert werden und die ihn zu einem Ereignis werden lässt.

Erscheinungstermin März 2024

»Der Roman, der von Brigitte Döbert famos übersetzt wurde, galt als unübersetzbar, weil er mit solch sprachschöpferischer Wucht verfasst ist, dass sich über manche Stellen selbst kroatische Muttersprachler nicht einig werden konnten. (…) ›Austrocknen‹ ein geniales, mitreißendes Werk. (…) Gleich die ersten zehn Seiten des Buches sind große Literatur. Während die Natur frühlingsschön erblüht, bemerkt der junge Schriftsteller Arsen, dass aus dem Schleim, den er seit Längerem aushustet, blutige Pfropfen geworden sind, die ihn an schöne Korallen erinnern. Frei von Angst wartet er mit einer seltsam kühlen Neugier auf die Diagnose, die ihm bestätigt, dass er die Schwindsucht hat und ihm daher nur mehr eine ›Zukunft, kurz wie der Lenz‹ beschieden sein wird.«

Karl-Markus Gauß, Süddeutsche Zeitung

»Kamov zeichnet mit großer Intensität Augenblicke und Suchbewegungen, Wahrnehmungen und Reflexionen eines jungen Menschen nach – in erstaunlichen Sprachbildern, in verschiedenen, aufgebrochenen Formen und mit souveräner Missachtung von ›Schicklichkeitsgrenzen‹. (…) All das ergibt keine ästhetische Harmonie, es wirkt zutiefst zerrissen. Und lässt ›Austrocknen‹ äußerst modern und gegenwärtig wirken.«

Jörg Plath, Ö1 Ex libris

Diese Bücher könnten Sie auch interessieren

Janko Polić Kamov

Janko Polić Kamov (1886–1910) wurde in Sušak, Rijeka, in Kroatien geboren. In seinen Gedichten, Erzählungen, Romanen, Theaterstücken und Feuilletons schrieb er gegen die Heuchelei und die Konventionen seiner Zeitgenossen an. Sein Hauptwerk, der rebellische, subjektive Roman »Austrocknen«, gilt als wichtigstes Prosawerk der kroatischen Avantgarde und wurde lange nach seinem Tod erst 1956 publiziert. Kamov flog wegen Undiszipliniertheit von der Schule und bereiste ab 1904 mit einer Schauspieltruppe Dalmatien und Montenegro. Später lebte er in Agram (Zagreb) als Schriftsteller und Journalist, beeinflusst von Baudelaire und den italienischen Futuristen. Kamov, der eigentlich nur Janko Polić hieß, wählte den Beinamen Kamov nach der Figur Ham (oder Kam) aus dem Alten Testament, der seinen Vater Noah nackt sah, aber dessen Nacktheit nicht bedeckte, weshalb dieser seine Nachkommen mit einem Fluch belegte. Der rastlose Kamov ebnete mit seinem Grenzen sprengenden Werk den Weg für spätere wichtige kroatische Autoren wie Miroslav Krleža und Antun Branko Šimić; bereits mit 23 Jahren starb er in Barcelona im Hospital de la Santa Creu.

Brigitte Döbert

Brigitte Döbert, geboren 1959, lebt in Berlin. Sie überträgt seit mehr als zwanzig Jahren aus verschiedenen exjugoslawischen Staaten Belletristik ins Deutsche, u. a. Bora Ćosić, Daša Drndić und Miljenko Jergović, und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Straelener Übersetzerpreis, dem Preis der Leipziger Buchmesse sowie dem Georg-Dehio-Buchpreis.

Wir setzen technische und analytische Cookies, so dass wir Ihnen die beste Erfahrung auf unserer Website garantieren können.