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Frans Eemil Sillanpää (1888–1964) wird als Bauernsohn zur Schulbildung ans Gymnasium nach Tampere und anschließend an die kaiserliche Alexander-Universität nach Helsinki geschickt. Er bricht das Medizinstudium ab, kehrt zurück aufs Land, gründet dort eine Familie und beginnt literarisch zu arbeiten. 1919 entsteht der Roman »Frommes Elend«. Trotz finanzieller Nöte schreibt er weiter und erhält schließlich 1939 den Nobelpreis für Literatur. Er verfällt dem Alkohol, verbringt die Jahre 1940–1943 in der Psychiatrie und schreibt danach so gut wie gar nicht mehr. Dennoch bleibt er in Finnland bis zu seinem Tod populär, weil er als »Taata Sillanpää« (Opa Sillanpää) immer zu Weihnachten im nationalen Radio spricht.

Reetta Karjalainen wurde 1973 in Kranj (Slowenien) geboren, wuchs bilingual (finnisch-deutsch) auf, studierte in Wien Fennistik, Finno-Ugristik und Deutsche Philologie und lebt als Übersetzerin in Wien und Yläne (Finnland).

Anu Katariina Lindemann wurde 1979 in Bremen geboren. Sie studierte Fennistik sowie Englische und Deutsche Philologie in Köln und lebt als Übersetzerin in München.

Im Herbst des Jahres 1857 wird Jussi-Toivola als Sohn armer Bauern in einer Zeit geboren, die von großen Umbrüchen gezeichnet ist. Finnland ist bestrebt, sich von der jahrhundertelangen Fremdherrschaft – zuerst durch Schweden und dann durch Russland – zu befreien. In seiner Heimat, wo Jussi aufwächst und später als Landarbeiter und Kleinpächter in einer Hütte mit Frau und zahlreichen Kindern sein Leben zu bestreiten versucht, erschweren Hunger und Armut sein Dasein. Als dann 1918 der Bürgerkrieg ausbricht, findet sich Jussi inmitten der Auseinandersetzungen des Krieges wieder.

Frans Eemil Sillanpää, als bisher einziger Finne wurde er 1939 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet, betrachtet Jussis Schicksal mit anteilnehmender Zugeneigtheit, ohne zu verklären, ohne zu viele Worte zu verlieren. So entsteht das Bild eines Menschen im Einklang mit der Natur, mit »Gleichgewicht in seinen Gedanken«, der den historischen Umwälzungen letztlich zum Opfer fällt. Und doch überstrahlt die Beschreibung des Lebens von Jussi-Toivola all das Elend und die aufreibenden Konflikte. Es leuchtet, aufgehoben in der Literatur.

»Eine großartige Wiederentdeckung.«

Madeleine Napetschnig, Die Presse

»Ein Buch, das nahegeht und ein Kapitel der Geschichte Finnlands behandelt, das in Deutschland weitgehend unbekannt ist.«

Franz Friedrich, Buchreport

»So frisch, unpathetisch und gnadenlos klar, dass man gerne mehr von diesem Autor lesen möchte.«

Werner Schandor, Wiener Zeitung

»Ein so filigran wie erbarmungslos realistisch gezeichnetes Porträt eines Kleinbauern, der vor den finnischen Hungerjahren Mitte des 19. Jahrhunderts geboren und während des dreimonatigen Bürgerkriegs 1918 erschossen wird.«

Gabriele von Arnim, Deutschlandradio Kultur

»Der Roman erinnert an Erzählungen, die lange, dunkle Winterabende verkürzen.«

Jörg Plath, ORF

Frommes Elend

Frans Eemil Sillanpää

OT: »Hurskas kurjuus«, 1919
Aus dem Finnischen und mit einem Glossar von Reetta Karjalainen und Anu Katariina Lindemann
Mit einem Nachwort von Thomas E. Brunnsteiner
284 Seiten, € 24 | € 24,60 [A]
Gebunden, fadengeheftet und mit Lesebändchen
ISBN 978-3-945370-00-1